denkstaette: (Default)
[personal profile] denkstaette
In den letzten Wochen kamen Nachrichten aus Griechenland, dass das Parlament ein Gesetz verabschieden sollte, welches die Möglichkeit für Unternehmer schafft, die Tagesarbeitszeit für die Mitarbeiter auf 13 Stunden anzuheben. Für die Wochenarbeitszeit könnte die Grenze bei 78 Stunden liegen. Diese Meldungen belebten alte Gedanken in mir. Nachdem ich gestern eine wichtige Säule der Ökonomie, das Landeigentum, beleuchtete, möchte ich nun der Lebenszeit einen kurzen Blick widmen.

Würde ein Unternehmer heute eine Annonce schalten, dass er für seine Firma Arbeitskräfte sucht und deshalb Menschen kaufen wollte, wäre ihm innerhalb von Minuten ein riesiger Shitstorm sicher. Die Gesellschaft hat sich darauf geeinigt, dass ein Menschenleben nicht handelbar ist. Die Sklaverei gilt als abgeschafft. Außerdem wird dadurch, dass ein #Menschenleben unverkäuflich ist, ein Menschenleben unbezahlbar.

Dies alles als gegeben vorausgesetzt, stellt sich die Frage, wie Mensch auf die Idee kommt, dass acht Stunden am Tag aber bezahlbar wären? Wenn etwas im Ganzen unbezahlbar ist, muss verständlicherweise jedes Teil davon unbezahlbar sein. Selbst, falls Mensch freiwillig tätig sein sollte. (Wenn es um Arbeit geht, wird jedoch ein Zwang ausgeübt, weil ein (Geld)Einkommen zum Überleben notwendig ist. In diesem Fall kann man nicht von Freiwilligkeit sprechen.) Von daher kann kein »gerechter Lohn« existieren, so wie er zum Beispiel von verschiedenen politischen Strömungen immer wieder gefordert wird.

Insgesamt ergibt sich bei diesem Problem die gleiche Situation wie bei der Erde und dem Landeigentum. Es wird etwas geteilt, was, menschlich betrachtet, nicht teilbar ist. Mich beschleicht deshalb das Gefühl, dass Mensch sich eben nicht an die Vereinbarung hält, dass die Sklaverei abgeschafft ist. Das Prinzip Lebenszeit (Leben) gegen Geld wurde nicht aufgehoben. Der ökonomische Mensch fand ein Hintertürchen und deckte einen Schleier darüber. Für die meisten #Menschen ist es völlig »normal«, sich selbst zum Objekt / Ding zu machen und sich zu »verdingen«. Sie können sich ein Leben ohne Lohnarbeit nicht einmal vorstellen. (Was ich durchaus verstehe.)

Auch für die diese Säule der Ökonomie gilt: Eine empirisch wissenschaftliche Begründung für das Prinzip Leben gegen #Geld ist nicht existent. Sie wird einfach als gegeben vorausgesetzt. Wieder basiert die Praxis allein auf Willkür. Menschen werden extrem erpressbar (was in der Coronazeit sehr gut demonstriert wurde.), weil sie von einem Einkommen abhängen. Das Prinzip Leben gegen Geld, welches außerdem unter einem versteckten Zwang umgesetzt wird, scheint mir zutiefst menschenunwürdig. Von #Freiheit, »Demokratie«, »Gerechtigkeit« weit und breit keine Spur.

Um was geht es da also in Griechenland? Eine weitere Aufweichung des Rechts auf ein selbstbestimmtes Leben.

September 2024

M T W T F S S
      1
2345678
9101112131415
1617 18 19 202122
232425 26 272829
30      

Most Popular Tags

Style Credit

Powered by Dreamwidth Studios