»Schulden treiben uns in die Sklaverei – David Graeber erklärt | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur«
https://www.youtube.com/watch?v=F1i8HDOzlg8


Eine der wichtigsten Voraussetzungen der Ökonomie ist die Knappheit. Man kann keinen Profit machen, wenn die Menschen nicht von Knappheit bedroht sind. Die Ökonomen meinen, dass Produktion und Verteilung über Angebot und Nachfrage organisiert werden müssen. Nachfrager sind jene Menschen, die Geld haben, um die Angebote zu kaufen. Wer kein Geld hat kann nicht nachfragen. (Geld ist »knapp«, obwohl es keinen Mangel an prägbaren Metallscheiben, bedruckbarem Papier oder Bits&Bytes gibt. Eine künstliche Knappheit.) Deshalb müssen heute noch immer Menschen verhungern, haben keinen Zugang zu Trinkwasser oder medizinischer Versorgung. Bedarfsdeckung ist kein Thema der Ökonomie. Gibt es für die Menschen so viele Güter wie Wasser im Meer oder Luft zum Atmen, geht der Profit in Richtung null. (Interessant ist auch, darüber nachzudenken, was passiert, wenn die Gesellschaft auf eine vollautomatisierte Produktionskette zurückgreifen könnte. Wie viel Profit ist dann noch zu machen? Wie wird die Verteilung organisiert?) Das gute Leben aller Menschen, mit dem bestmöglichen Lebensstandard, ist nicht das Ziel dieser Lehre und/oder dieser Gesellschaft. Einen menschlichen Kapitalismus gibt es nicht und das Sozialstaatsgeschwätz ist für die Katz. Darum gibt es keine ökonomisch Lösung für die Probleme der Gegenwart. Ganz gleich, was die Ökonomen, Politiker und Parteien erzählen, liegt es in der Natur der Ökonomie, dass immer neue Konfliktherde entstehen müssen. Die gesellschaftliche Umverteilung, bleibt immer ein Umverteilen. Sie hat mit »Gerechtigkeit« nichts zu tun und ist Teil der aktuellen Schwierigkeiten. Dahinter steckt die Idee des ständigen Kampfes jeder gegen jeden. Ein dauerhafter Krieg.
Warum Staat und Eigentum getrennt werden müssen - von Daniela Dahn
»… Das Gegenteil von Privateigentum ist nicht Staatseigentum, sondern Gemeineigentum. Ein im Grundgesetz als Option angebotener Begriff. Der Staat und seine Kommunen könnten in Rechtsträgerschaft, was im bürgerlichen Recht bisher nicht vorgesehen ist, große Teile des Gemeineigentums verwalten, wenn der Souverän die Kontrolle und das letzte Wort behält. Otto Bauer hat sich schon vor fast hundert Jahren einen paritätisch zusammengesetzten Verwaltungsrat als oberste wirtschaftliche Instanz vorgestellt. Doch ein Rechtsgefüge zum Gemeineigentum ist im Westen nie entwickelt worden.
Auch das Angebot des Grundgesetzes hat keine Partei aufgegriffen. Im Godesberger und Berliner Programm der SPD taucht der Begriff noch in verunklarender Weise auf. Im aktuellen Programm nicht mehr. Ebenso wenig wie im Grundsatzprogramm der Grünen. Dass auch die LINKE glaubt, in ihrem Programm die heiße Kartoffel Gemeineigentum zugunsten nebliger Umschreibungen fallenlassen zu können, ist ein besonderes Zeugnis von gedanklicher Drückebergerei…«
Quelle: danieladahn.de
»... Jahrtausende lang hatten sich die Banken den Zustand der Unschuld bewahrt. Mindestens seit Babylon waren sie Wechselstuben und Zinsleihanstalten, die mit staatlich in Umlauf gebrachten, kontrollierten Währungen arbeiteten und meist nur über ein bescheidenes Eigenkapital verfügten.Vor drei- bis vierhundert Jahren traten dann zwei grundlegende Änderungen ein. Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Geldinstitute zu Depositenbanken, und am Ende desselben Jahrhunderts zu Zettel- oder Notenbanken. Die Banknote, die heute das alltäglichste Zahlungsmittel darstellt, wurde von der 1694 gegründeten Bank von England ‚erfunden'. Von England aus trat sie im 19. Jahrhundert – also dem der Industrialisierung – ihren Siegeszug über die ganze Welt an. Schon 1682 hatte William Petty, einer der bedeutendsten ökonomischen Denker jener Zeit, in seiner Schrift ‚Quantulumcunque Concerning Money' auf die Frage "Welches Heilmittel gibt es, wenn wir zuwenig Geld haben?" geschrieben: "Wir müssen eine Bank gründen, die, recht geschätzt, die Wirkung unseres gemünzten Geldes fast verdoppeln wird. Und wir haben in England Material für eine Bank, welche eine genügende Goldmenge bereitstellen wird, um den ganzen Welthandel zu finanzieren."
Im Jahre 1694 war die Regierung von König William III. von England in großer Geldverlegenheit. Eine Reihe von finanzstarken Gläubigern unter der Leitung des Schotten William Patterson streckten nun dem Staat die Summe von 1,2 Millionen Pfund gegen 8 Prozent Zinsen vor, unter der Bedingung daß der ‚Gouverneur und die Gesellschaft der Bank von England', wie sie sich nannten, das Recht erhalten sollte, Banknoten bis zur vollen Höhe ihres Kapitals auszugeben. Die Bank erhielt damit das Recht, 1,2 Millionen englische Pfund in Gold und Silber einzunehmen und es in 2,4 Millionen Pfund in Noten zu konvertieren. Die Hälfte davon, also 1,2 Millionen (das Gold und Silber) wurden an die Regierung verliehen, die restlichen 1,2 Millionen in Banknoten konnten sie selbst benutzen. Patterson gab offen zu, daß sie das bemerkenswerte Privileg erhalten hatten, Geld zu machen...«
Die beiden Wissenschaftler haben für ihre Studie Steuerarchive durchforstet und dabei herausgefunden, dass die reichsten fünf Familien aus dem Jahr 1427 auch heute noch die reichsten fünf Familien sind. Aber nicht nur die Spitze der Pyramide ist gleichgeblieben. Wer damals im oberen Drittel stand, ist auch heute mit ziemlicher Sicherheit dort anzutreffen.
Und Ebenso gilt: einkommensschwache Familien von damals haben mit einer großen Wahrscheinlichkeit auch heute noch denselben Status. Weder die industrielle Revolution, die Einführung der allgemeinen Schulpflicht noch der Ausbau des Sozialstaates hätten daran viel geändert.«