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»Wählen ist die gewalttätigste Handlung, die jemand in seinem Leben begehen kann.

Diese wenig beachtete Anomalie in Bezug auf die Stimmabgabe steht in direktem Zusammenhang mit der modernen Auffassung vom Staat als einem Gebilde, das seine Handlungsbefugnis aus der Zustimmung der Regierten ableitet. Die Aura der Legitimität, die das Handeln der Regierung umgibt, wird durch die wahrgenommene Rolle der Abstimmung als Ausdruck des "Volkswillens" verstärkt. Unabhängig davon, ob es sich um eine nicht bedrohliche oder gewaltsame Maßnahme handelt, wird davon ausgegangen, dass die Autorität für jede einzelne Handlung der Regierung auf der Zustimmung des Volkes durch den Wahlprozess beruht. Dies wird den Schulkindern von frühester Kindheit an beigebracht.

Die Vorstellung, dass der Staat seine Handlungsbefugnis aus der Zustimmung des Volkes ableitet, klingt romantisch. Nur wenige Menschen sind sich jedoch bewusst, dass die Macht des Staates per definitionem dem Zweck dient, Gewalttaten zu verüben. Damit jemand oder eine Organisation friedlich handeln kann, ist keine Ermächtigung erforderlich. Dies ist unter Wissenschaftlern kein Geheimnis, und die Definition des Staates des Soziologen Max Weber gilt als eine der maßgeblichen:

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»Wenn eine überschaubare Gruppe von Menschen dauerhaft über die große Masse Macht ausüben will, ist die Stabilität des Systems nur dann zu erreichen, wenn man die wichtigste Ressource kontrolliert. Wissen.

Was das Volk nicht weiß, noch nicht einmal erahnt, kann es auch nicht auf die Barrikaden bringen.

Nach diesem simplen Prinzip herrschen die sogenannten Eliten nun schon seit Tausenden von Jahren über ihre jeweiligen Untertanen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein System sich "Demokratie" nennt oder nicht...«




Vortrag als .pdf:

http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

oder hier:

https://jensewernicke.files.wordpress.com/2017/02/mausfeld_die_angst_der_machteliten_vor_dem_volk.pdf


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Ein lesenswerter, bemerkenswerter Text.

»... Die politischen Parteien sind in dieser Welt der größte Klotz am Bein der Demokratien. Sie sind die letzten Dinosaurier, die es geschafft haben, in die Moderne hinein zu überleben. Sie behindern jeden Tag aufs Neue dringend gebrauchte Lösungen und verschärfen so kontinuierlich die Krise der repräsentativen Demokratien und die grenzenlose Ausbreitung von Ungerechtigkeit. Sie sind Überbleibsel aus einer versunkenen Welt. Und die Parteiendemokratie ist das letzte verbliebene Naturreservat der politischen Dinosaurier in der neuen Zeit.
Da die politischen Parteien programmatisch in nahezu jeder Hinsicht übereinstimmen, so gut wie austauschbar sind und einander bei Bedarf auch mal die Themen klauen, liegt die politische Macht vollständig in den Händen eines Parteienkartells.
Nur nach außen hin tragen die Parteien ab und zu noch Schaukämpfe aus, die inhaltlich keine Alternativen bieten, oder sie lassen ihre Repräsentanten einander in Talkshows gegenseitig anschreien.
Die Wahlkämpfe sind ein reiner Schwindel, der programmatische Verschiedenheit lediglich vortäuscht. Eine kalkulierte Inszenierung von Themen, die sich die Funktionäre der Parteien in trauter Gemeinschaft mit ihren PR-Beratern ausgewählt haben, weil sie erwarten, mit dem jeweiligen Potpourri an Pseudothemen Wahlen gewinnen zu können. Themen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen, werden darin gezielt ausgespart. Was schert's die Repräsentanten, was die Bürger wollen …
Auf Wahlkämpfe treffen die Worte George Orwells aus "1984" über den Krieg zu: "Es ist das Gleiche wie die Kämpfe zwischen gewissen Wiederkäuern, deren Hörner in einem solchen Winkel gewachsen sind, dass sie einander nicht verletzen können. Wenn er aber auch nur ein Scheingefecht ist, so ist er doch nicht zwecklos. Durch ihn wird der Überschuss von Gebrauchsgütern verbraucht, und er hilft, die besondere geistige Atmosphäre aufrechtzuerhalten, die eine hierarchische Gesellschaftsordnung braucht."...«


Quelle;

https://www.heise.de/tp/features/Mehr-Gerechtigkeit-Die-alte-Leier-frisch-aufgeschulzt-3622583.html (https://archive.fo/EeZH7)

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